header_200_6.jpg

 

Da ich jetzt schon öfter gefragt wurde, was denn bei dieser oder jeder Verpaarung rauskommen könnte bzw. wie sich die einzelnen Farbschläge vererben, möchte ich hier mal in Kurzform die Grundlagen der Farbschlagvererbung erläutern.

 

Es ist hilfreich, sich im Vorfeld mal mit den Begriffen dominant, rezessiv, geschlechtsgebunden und spalterbig auseinanderzusetzen, sonst würde das hier zu weit führen. Diese Begriffe werde ich also nur kurz erläutern.


Es ist auch sinnvoll, sich vorher mal mit den einzelnen Farbschlagbezeichnungen auseinandergesetzt zu haben. Wenn vorhanden, werde ich meine Erläuterungen aber mit Bildern versehen.

 

Alles klar? Dann kann es ja losgehen!

 


Neben der Dominanten und Rezessiven Vererbung gibt es einige Grundregeln die wichtig sind, um die Farbvererbung beim Welli zu verstehen:

1. Die Regel über die Farbstufen

Beim Wellensittich wird die Körperfarbe in die 2 Farbreihen, die Grün- und die Blaureihe unterteilt. Zur Grünreihe zählen auch Graugrüne und Lutinos, zur Blaureihe auch Graue und Albinos.


Innerhalb jeder Farbreihe gibt es beim Wellensittich 3 Farbstufen: Hell – Mittel – Dunkel
In Verbindung mit den Farbreihen gibt es also folgende Grundfarben:

Farbstufe Grünreihe Blaureihe
Hell Hellgrün Hellblau
Mittel Dunkelgrün Dunkelblau
Dunkel Olivgrün Mauve


Graugrün* Violett*

Lutino* Grau*

*Anmerkung: bei Grau, Graugrün und Violett wird nicht zwischen Hell, Mittel und Dunkel unterschieden, die Farben stehen, genau wie Lutino-Gelb nur der Vollständigkeit halber in dieser Auflistung

Die Verpaarung zweier Wellensittiche ergibt aufgrund dieser Regel folgendes Ergebnis:

Hell x Hell = 100 % Hell
Hell x Mittel = 50 % Hell, 50% Mittel
Hell x Dunkel = 100 % Mittel
Mittel x Mittel = 25 % Hell, 50 % Mittel, 25 % Dunkel
Dunkel x Mittel = 50 % Dunkel, 50 % Mittel
Dunkel x Dunkel = 100 % Dunkel

WICHTIG: Diese Regel ist unabhängig von der Farbe oder Mutation des Vogels, es geht nur um die Farbintensität.

2. Die Regel über die Farbreihen

Wie oben schon erläutert unterteilt man die Grundfarben in die beiden Farbreihen, wobei Grün dominant über Blau ist.
Daraus ergeben sich folgende Verpaarungsergebnisse:

Grün x Grün

= 100% Grün


Grün x Blau

= 100 % Grün/blau (Grüne, die spalterbig* in blau sind)


Grün x Grün/blau

= 50 % Grün, 50 % Grün/blau


Grün/blau x Grün/blau

= 25 % Grün, 50 % Grün/blau, 25 % blau


Grün/blau x Blau

= 50 % Grün/blau, 50 % Blau


Blau x Blau

= 100 % Blau

* spalterbig bedeutet, dass das Tier eine genetische (hier auf die Farbe bezogene) Eigenschaft zwar im Erbgut trägt, sie aber nicht sichtbar ist. Auf den Wellensittich bezogen kann z.B. ein optisch grüner Sittich bei geeigneter Verpaarung blaue Nachkommen zeugen, sofern er Spalt in blau ist.

3. Die Regel über die rezessive Vererbung

Wie genau die rezessive Vererbung funktioniert, erkläre ich an dieser Stelle wie gesagt nicht genauer.
Aber für spätere Ausführungen hier mal eine Auflistung darüber, welche Farbschläge beim Welli rezessiv gegenüber nichtrezessiven weitergebenen werden:

  • Grauflügel
  • Hellflügel
  • Falben
  • Schwarzaugen
  • Gelbe und Weiße
  • Rezessive Schecken (wer hätte das gedacht... ;))

Beispiele für Verpaarungen:



Normal x Rezessiv

= 100 % Normal/rezessiv


Normal/rezessiv x Rezessiv

= 50 % Normal/rezessiv, 50 % Rezessiv


Normal/rezessiv x Normal/rezessiv =

25 % Normal, 50 % Normal/rezessiv, 25 % Rezessiv


Normal/rezessiv x Normal =

50 % Normal/rezessiv, 50 %Normal

4. Die Regel über die geschlechtsgebundene Vererbung

Folgende Farbschläge werden geschlechtsgebunden vererbt:

  • Inos (Albinos und Lutinos)
  • Zimter
  • Opaline
  • Lacewings
  • Clearbodys
  • Schiefer

WICHTIG:

Anders als bei uns trägt beim Wellensittich das Männchen 2 X-Chromosome, die Henne dagegen X und Y. Eine Henne kann also niemals spalterbig in eine geschlechtsgebundene Eigenschaft sein!

Bei dieser Regel spielt bei den Berechnungen also auch das Geschlecht eine Rolle. (1,0 = Hahn, 0,1 = Henne)



1,0 Opalin x 0,1 Normal =

1,0: 100 % Normal/opalin

0,1: 100 % Opalin


1,0 Normal x 0,1 Opalin =

1,0: 100 % Normal/opalin

0,1: 100 % Normal

1,0 Normal/opalin x 0,1 Normal =

1,0: 50 % Normal, 50 % Normal/opalin

0,1: 50 % Opalin, 50 % Normal

1,0 Normal/opalin x 0,1 Opalin =

1,0: 50 % Opalin, 50 % Normal/opalin

0,1: 50 % Opalin, 50 % Normal

1,0 Opalin x 0,1 Opalin =

100 % Opalin

5. Die Regel über die Faktoren

Faktorigkeit ist eine Eigenschaft, die vom Welli entweder einfach (1F) oder doppelt (2F) getragen werden kann. Ihr müsst euch das Vorstellen wie einen zusätzlichen genetischen Baustein. So kann ein Welli z.B. nur optisch Violett erscheinen, wenn er gleichzeitig die Gene für Dunkelblau + Violettfaktor trägt. Würde ein hellgrüner Vogel zusätzlich einen Violettfaktor tragen, würde er für uns optisch einfach aussehen wie ein dunkelgrüner.
Alle Faktorigen sind dominant!

Faktorigkeit spielt eine Rolle bei folgenden Farbschlägen/Farben:

  • Grau/Graugrün
  • Violett
  • Gelbgesicht
  • Spangle
  • Australische Schecken
  • dominante kontinentale Schecken

Daraus ergeben sich wieder folgende Verpaarungsmöglichkeiten (wobei keine Rolle spielt, ob der Hahn oder die Henne den Faktor trägt):



2F x Normal

(also ohne Zusatzfaktor) = 100 % 1F


1F x Normal

= 50 % 1F, 50 % Normal


2F x 1F

= 50 % 2F, 50 % 1F


1F x 1F

= 50 % 1F, 25 % 2F, 25 % Normal


2F x 2F

= 100 % 2F

zum Seitenanfang | eine Seite zurück |