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Vögel im Flugzeug - ein Reisebericht

Die User aus dem P.o.t.R.-Forum kennen die Geschichte sicherlich schon: Im Oktober war ich zusammen mit Martina in Schleswig bei Michael und den Wellensittichclowns zu Besuch. Und das zur Abwechslung nicht mit dem Auto sondern mit dem Flugzeug.

 

Was wir dabei erlebt haben und was man beim Transport von Wellensittichen im Flieger beachten sollte, könnt ihr hier nachlesen.

...

 

Dieses Mal sollte alles anders sein: kein Stress, kein Stau, keine Über-Nacht-Reise für die Pieper. Und wie macht man das wenn man eine Distanz von +/- 500 Kilometern zu überwinden hat? Richtig! Mit dem Flugzeug.

Eine der wenigen Airlines, die den Transport von Tieren an Bord zulässt, ist Air Berlin.

 

Auf dem Hinflug sollte uns eine meiner Nachzuchten begleiten um die Zucht der Wellensittichclowns zu verstärken. Gesagt, getan, Tickets gebucht und einen Wellensittich mit angemeldet. Gar nicht so einfach da wir anscheinend die ersten Passagiere überhaupt waren, die einen Sittich mitnehmen wollten. Nach einigem hin und her waren sich die Mitarbeiter der Airline auch einig darüber, dass Wellensittiche eindeutig in die Kategorie „gefährliche Fracht“ fallen und daher nicht wie z.B. diese kleinen Schoßhunde mit in die Kabine dürfen. Warum auch immer...

 

Freitagmorgen habe ich den Pieper für seine Reise vorbereitet: Futter in die Transportbox, Pieper rein, Box mit Aufkleber versehen und mit Klebeband fest verschlossen. Am Flughafen haben wir dann eingecheckt, Boarding-Pässe abgeholt und das Gepäck aufgegeben.

Und dann wurde es interessant. Der Vogel muss am Sperrgepäckschalter abgegeben werden. Ihr habt richtig gelesen. Eine Box von 25x20x11 cm ist Sperrgepäck.

An diesem Schalter wurden wir dann begrüßt mit „Ach wie süß!“. Da hatte der Mitarbeiter den Inhalt noch gar nicht gesehen.

 

MA: „Was habt ihr denn da drin?“
Wir: „Einen Wellensittich.“
MA: „Dann haben wir jetzt ein Problem.“
Wir: „Warum das denn? Die Box ist doch gut verschlossen.“
MA: „Eben drum.“

Eine Runde dumm gucken bei Martina und mir.

MA: „Der Vogel muss da raus, wir müssen die Box durchleuchten.“

(Die Unterhaltung über den Sinn und Unsinn darüber, dass so kleine Tiere nicht mit in die Kabine dürfen sowie die Episode mit der genervten Tussi hinter uns, die ihre gefühlten 20 übergroßen Koffer unbedingt vor uns einchecken wollte weil sie sonst ihren Flug verpasst, schenke ich mir an dieser Stelle.)

Ich: „Dann geben sie mal ein Cutter-Messer rüber, dann haben wir auch kein Problem.“

Klebeband mit Hilfe der unglaublich stumpfen Schere abgezusselt, Box vorsichtig geöffnet und den Vogel rausgeholt – die riesige Halle des Terminal A im Rücken. Da stand ich dann mit dem kleinen Pieper in der Hand, schaue hoch und gucke auf einmal in die verwunderten Gesichter einer Hand voll hünenhafter Security-Mitarbeiter.


Kommentar: „Ach wie niedlich, ein Nymphensittich!“.


Die Box wurde durch den Röntgenapparat geschoben und es wurden – welch eine Überraschung – weder Kampfmesser, noch Kokain oder gar Flüssigsprengstoff gefunden. Wir durften den Pieper also wieder einpacken. Ein bisschen Klebeband beim Flughafenpersonal geschnorrt und weiter ging es.

 

Der Vogel wurde verladen, wir stiegen in unseren Flieger und waren – wunderbar stressfrei – eine Stunde später in Hamburg gelandet. Wie wir dann so auf unser Gepäck warten sehen wir einen kleinen Mann in neongelber Jacke mit der Transportbox durch die Tür kommen. Kurzes Gespräch mit dem anderen Mann am Schalter, Schulterzucken, Box abgestellt und weg war er wieder.

Und wir konnten unser „Gefahrgut“ wieder in Empfang nehmen. Absolut unversehrt und zwitschernd. Scheint ihm gefallen zu haben.

 

...

 

Nun stand natürlich auch ein Rückflug an, bei dem 5 Wellis wieder mit nach NRW sollten. Da haben wir uns gedacht wir versuchen mal, das ganze Hickhack zu umgehen und die Vögel eben doch als Handgepäck mit in die Kabine zu nehmen. Weil mehrere Vögel aus und wieder einpacken? Muss nicht sein.

 


Am Flughafen Hamburg angekommen wiederholte sich das Spiel vom Freitag: Gepäck aufgeben, Boarding-Pässe bekommen, Transportbox auf den Tresen stellen, verwunderte Blicke ernten.



Der Mitarbeiter wollte nicht alleine entscheiden ob die Pieper nun mit in den Passagierraum dürfen oder nicht und rief seine Chefin dazu.


MA: „Da ist ein Vogel drin?
Wir: „Nein, fünf.“
MA: „Und die sollen mit in die Kabine?“
Wir: „Ja, sollen sie.“
MA: (schulterzuckend) „Weiß ich nicht, soll die Crew entscheiden.“
Mittlerweile waren noch mehr Schalter-Mitarbeiter aus Neugier dazu gekommen und glotzten die Box an.
MA: „Ich sehe nur Äpfel.“
Anja: (knochentrocken) Ja, Apfelbomben!

Wir also mit unserem Handgepäck und den gefiederten Mini-Bin Ladens zur Sicherheitskontrolle gestiefelt. Versuch macht ja bekanntlich klug…
Taschen, Jacken und Co. wurden durchleuchtet und es wiederholte sich der „Was ist da drin?“-Dialog.

Leider mit dem gleichen Ende wie beim ersten Mal:
„Die Vögel müssen da raus, wir müssen die Box durchleuchten.“



Tiiiiiiief durchatmen und bis 10 zählen… Bild


Wir wurden, flankiert von Security, in einen kleineren Raum geführt (prima, einer denkt mit, Vögel können fliegen) und packten die Pieper in eine zweite Transportbox, die wir in weiser Voraussicht eingepackt hatten. Kiste durchleuchten, wieder nix finden, Vögel wieder umpacken.



Und wer jetzt glaubt, damit wäre der Käse gegessen, irrt gewaltig.
Wir stehen an unserem Gate und wollen in den Flieger steigen, da hält uns der Mitarbeiter am Schalter auf: „Sie sind die mit dem Vogel? Dann kann ich sie nicht rein lassen, ich habe noch keine Freigabe!“



Prost Mahlzeit. Die Zeit vergeht, alle anderen Passagiere sitzen schon im Bus zum Rollfeld und wir stehen doof da und warten darauf, dass einer von der Crew eine Entscheidung trifft. Bis dann endlich mal ein Mitarbeiter vom Bodenpersonal auftauchte und uns durchwinkte.

Mit der Box ins Flugzeug, Plätze gesucht und auf den Start gewartet. Bis eine Stewardess auftauchte:
Sie: „Das geht so nicht, die Box muss auf den Boden.“ (Ich hatte sie auf dem Schoß) „Ich schlage vor sie (zu Martina) kommen mit in die erste Reihe und sie (zu mir) bleiben mit der Kiste hier.“



Widerstand zwecklos, Martina stiefelte in die erste Reihe und ich stellte die Box auf den Boden. Bis die Stewardess wieder auftauchte. „Das geht so nicht, die Vögel müssen an die Fensterseite!“

Ich sparte mir die Frage nach dem Warum, räumte meinen schönen Fensterplatz und setzte mich an den Gang, die Kiste mit den Vögeln rechts neben mir auf dem Boden. Und so konnten wir dann endlich starten.



Pilot: „Sehr geehrte Fluggäste, ich begrüße Sie und unsere gefiederten Passagiere auf unserem Air Berlin-Flug von Hamburg nach Düsseldorf. […]“




Reise mit Tieren und du erlebst was!

Und wenn mich jetzt jemand fragt, ob ich wieder mit Vögeln in den Flieger steigen würde, würde ich das wahrscheinlich bejahen. Sicherlich war unser Trip eine kleine Odyssee, aber wenn man ein paar Dinge beachtet ist es für Mensch und Tier eine sehr stressfreie Art zu reisen.

Allerdings würde ich dann einige Sachen anders machen:

 

  1. Unbedingt eine zweite Transportbox einpacken oder noch besser die Vögel in Zooladen-Pappschachteln zum Flughafen transportieren und erst nach der Sicherheitskontrolle in die richtige Transportbox setzen.
  2.  

  3. Zum Verschließen der Box Klebeband griffbereit haben.
  4.  

  5. Genügend Zeit mitbringen. Je nach dem wie souverän die Airline-Mitarbeiter mit der Situation umgehen, kann ein bisschen Zeit ins Land gehen.
  6.  

  7. Nach Möglichkeit nicht alleine fliegen. Ein zweites Paar Hände erleichtert das Händeln von Gepäck, Handgepäck und Transportbox ungemein.

 

PS: Wenn ich meinem Sitznachbarn vom Rückflug glauben darf, ist Sportpferde durch die Gegend fliegen wesentlich einfacher...

 

 

Picture By Arcturus [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or CC-BY-SA-2.0-de], from Wikimedia Commons

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