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Wie kommt eigentlich die Farbe in die Federn?

Grün, gelb, blau, grau, oliv, violett: Wellensittichfedern sind wunderbar bunt und leuchten in den verschiedensten Farben. Aber wie entstehen diese Farben eigentlich und warum ist der Wellensittich schon lange nicht mehr nur grün?

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Ein bunter Wellensittichschwarm

In den Wellensittichfedern gibt es eine Reihe von verschiedenen Farbstoffen die, je nach Kombination, die unterschiedlichen Farben hervorbringen. Federn enthalten hauptsächlich zwei Arten von Farbpigmenten.

 

Die einen sind die gelblichen Carotinoide, die sie mit der Nahrung zu sich nehmen und die dann in die Federn eingelagert werden.

Die anderen sind die Melanine. Diese bräunlich bis schwarzen Pigmente werden in speziellen Körperzellen gebildet und ebenfalls während des Wachstums der Federn in ihr Gewebe eingebaut.

Wildfarbene Wellensittiche sind aber bekannter weise grün. Wie geht das ohne grünen Farbstoff? Um das zu verstehen, muss man sich den Aufbau der Federn genauer anschauen.

Besonders schön lässt sich der an den großen Schwung- und Schwanzfedern erklären. Auf den ersten Blick erkennt man sofort die so genannte Federfahne, also den oberen weichen Teil, und den Federkiel, sozusagen den Stiel der Feder. Der obere Teil des Kiels, der an dem die Federfahne hängt, wird Federschaft genannt, den unteren bezeichnet man als Federspule.

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Und wer schon mal eine Feder in der Hand gehabt hat, wird sie auch schon einmal gegen den Strich durch die Finger gezogen und dabei die Federfahne durcheinander gebracht haben. Dabei fällt auf, dass die Fahne selbst recht stabil scheint und sich gar nicht so leicht „verstrubbeln“ lässt wie man vielleicht im ersten Augenblick vermuten könnte.

Das rührt daher, dass die Fahne selbst aus vielen kleinen Federästen besteht die sich wiederum in noch kleinere Äste, die Bogen- und Hakenstrahlen, verzweigen. Die Haken greifen in die Bogenstrahlen des jeweils benachbarten Astes und lassen so eine stabile, zusammenhängende Fläche entstehen.

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Links: Eine Wellensittichfeder unter dem Mikroskop / Rechts: Schematisierte Darstellung: 1 = Federschaft, 2 = Federast, 3 = Bogenstrahl, 4 = Hakenstrahl

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Querschnitt durch einen Federschaft (Schema)

Schaut man sich den Querschnitt eines Federschaftes mal unter dem Mikroskop an sieht man, dass der Schaft aus verschiedenen Schichten besteht. Die äußere Schicht ist die so genannte Rindenschicht, die durch Carotinoide gelblich erscheint.

Darunter liegt eine Schicht aus farblosen Riesenzellen und im Zentrum des Schafts befindet sich das Mark, welches aus kleineren Zellen entsteht, in denen reichlich schwarze Farbpigmente, die Melanine, eingelagert sind.

 

Aber wie wird aus schwarz und gelb jetzt grün?

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Schwarze Pigmente im Federschaft

Die grüne Farbe, die wir sehen ist in diesem Fall eine sogenannte Strukturfarbe. Strukturfarben sind Farben, die durch die Brechung des Lichts entstehen. Scheint jetzt also "normales" weißes Licht auf eine solche Vogelfeder, wird das Licht von winzigen Pigmentkörnchen in den Riesenzellen reflektiert. Diese Körnchen sind so winzig, dass sie ausschließlich das blaue Licht ablenken und so für uns sichtbar machen. Aus dem gleichen Grund erscheint uns übrigens auch der Himmel blau – winzige Staubkörnchen in der Luft reflektieren nur das blaue Licht.

 

Der angesprochene gelbe Farbstoff in der äußeren Schicht der Feder wiederum wirkt wie ein Filter und verwandelt dieses Blau dann in Grün.

 

Alle anderen Farben, die wir vom Wellensittichgefieder kennen, entstehen auf ähnliche Art und Weise. Ihre abweichende Optik beruht auf Mutationen, die sich auf die Pigmentierung der einzelnen Federbestandteile auswirken.

 

Bei blauen Vögeln z.B. verhindert eine solche Mutation, dass sich der oben angesprochene gelbe Farbstoff in der Rindenschicht ablagert. Dadurch fehlt der Filtereffekt, der die Federn normalerweise grün erscheinen lassen würde. Was bleibt ist nur das reflektierte blaue Licht. Dunkelblau und dunkelgrün wiederum entstehen, wenn die schwarzen Farbpigmente nicht nur im Federschaft sondern auch in den Federstrahlen vorhanden sind.

 

Bei gelben Wellensittichen sorgt eine andere Mutation dafür, dass gar keine schwarzen Pigmente produziert sondern nur die gelben Carotinoid-Pigmente eingelagert werden. In weißen Federn fehlen die Farbstoffe völlig.

Violette Töne entstehen durch einen zusätzlich abgelagerten Farbstoff in den Federästen, bräunliche Farben wie z.B. bei Zimtern, durch noch kleinere Melanine die das Licht anders reflektieren und bei aufgehellten Farbschlägen sind einfach weniger Farbpigmente in den Federn eingelagert.

 

So entstehen durch kleinste Veränderungen die rund 100 verschiedenen Farbschläge, die wir heute kennen und man darf gespannt sein, welche neuen Mutationen im Laufe der Zeit noch dazu kommen werden.

 

 

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